17. 7. 2006 · Mein Alltag ·

Manchmal träume ich, ich sei kein normales Schaf. Während ich schlafe, habe ich statt Stroh Gras Geschäftsideen im Kopf und sehe mich als Industriellen. Oft betätige ich mich in meinen Träumen als Witzelieferant mit eigenen Fertigungsstätten. Meine Vereinigten Scherzfabriken sind sogar Marktführer im Blödelbuisness, jedenfalls eine Weile. Wie es sich für erfolgreiche Unternehmer gehört, beginne ich meine Karriere in einer Garage, die aber schon bald zu klein wird. Frisch gelieferte Wörter stapeln sich in der Einfahrt und auch die fertigen Erzeugnisse haben keinen Platz mehr in den Vorratsregalen in der Garage. Eine seriöse Witzeproduktion ist so nicht möglich. Nachdem ich das Auto rausgefahren habe, kann ich erstmal ein paar Monate weiterarbeiten. In dieser Zeit gelingt mir mit
Ein Schaf gibt im Postamt ein Telegramm auf. Es will Mäh, mäh, mäh, mäh, mäh, mäh, mäh, mäh, mäh.
übermitteln. Der Beamte weist darauf hin: Das sind neun Wörter, Sie können ohne Aufpreis noch ein ‘Mäh’ schreiben.
Das Schaf antwortet: Aber das wäre inhaltlich völliger Quatsch.
der Durchbruch. Dieser Witz aus meiner Produktion wurde in 20 Sprachen übersetzt und sogar von Plagiatoren gefälscht (Ein Hund kommt ins Postamt…
). Wegen des Wachstums meiner Firma muss ich ein repräsentativeres Quartier beziehen, das den bescheidenen Ursprung aber nicht verheimlicht. Seitdem sind meine Mitarbeiter und ich im Dachgeschoss eines Parkhauses ansässig. Das Geschäft könnte nicht besser laufen und nebenher tue ich Gutes, indem ich meine Müllcontainer nachts nicht abschließe. So können führende Komödianten ihre Kabarettprogramme aus Überschüssen und Produktionsabfällen entwickeln, die sie bei mir aus dem Container fischen.

Leider nimmt der Traum eine unschöne Wendung: Das Volk belustigt sich plötzlich an minderwertiger Importware (Steht ein Manta vor der Uni
) und ich muss schmerzhafte Umsatzeinbußen hinnehmen. Später treibt mich die von der Russenmafia gesteuerte Blondinenwelle an den Rand des Ruins. Die Idee, mit Arbeitskräften aus Osteuropa Kosten zu senken, funktioniert im Witzebusiness leider nicht: Der Zwischenfall mit dem polnischen Triathlon hat tiefe Wunden hinterlassen – die Mitarbeiter würden aus Rache nur die Produktion sabotieren und die Autos aus den unteren Etagen klauen. Ich habe auch versucht, meine Produkte online zu verkaufen, vergeblich. Also entscheide ich zur Rettung des Betriebs schweren Herzens, meine Qualitätsansprüche aufzugeben. Mit Erfolg, schon kurz darauf erschließe ich neue Kundenkreise – Bäckerei- und Apothekenzeitschriften etwa reißen sich um meine neuen Produktlinien Klein Erna und Fritzchen.
An der Stelle meines Traums, wo ich Billigware in Großpackungen an Comedyproduktionen im Fernsehen verkaufe, wache ich schweißgebadet auf.
Ich bin ein etwa fünf Jahre altes Kuschelschaf und lebe unter Menschen. Was Du sonst noch über mich wissen musst, erfährst Du im Porträt.
Knuddel, ich will ein Lamm von Dir
, höre ich ständig. Damit kann ich nicht dienen. Aber mit anderen tollen Fan-Artikeln. Gratis!
Es gibt Tage, an denen schreibe ich hier tolle Artikel auf. Und es gibt Tage, da bin ich gut in Form, dann schreibe ich Meisterwerke. Wenn für Dich das Beste gerade gut genug ist und Dir Deine Zeit für die nur tollen Texte zu schade ist, dann lies doch einfach den Artikel des Moments. Sind wir nicht alle ein bisschen Färöer?: Ich wollte mich schon immer über die Färöer informieren und habe mir darum das Internet ausgedruckt, um nach interessanten Fakten zu suchen.