8. 10. 2006 · Mein Alltag ·

Was braucht schaf zum leben? Nicht viel: Vor allem was zu fressen und eine Beschäftigung, vielleicht noch ein attraktives Äußeres. Es gibt für die meisten von uns also keinen Grund, die eigene Weide zu verlassen: Wenn wir Hunger haben, müssen wir uns nur bücken. Auf der Weide rumstehen, ab und an ins Gras beißen und mit den anderen Tieren die neuesten Nachrichten beblöken füllt die meisten von uns auch ziemlich aus. Selbst an das gepflegte Erscheinungsbild ist gedacht, immerhin machen Schaffrisöre regelmäßig Weidenbesuche. Mehr braucht schaf nicht zum Glücklichsein. Moderner Kram wie Flexibilidingsbums oder Mobilität sind für uns darum kein Thema.
Viele Schafe haben wegen schlechter Erfahrungen mit dem Reisen sogar Angst vor Ortsveränderungen. Daran sind die gelegentlichen Gruppenreisen ins Blaue schuld, an denen einige Mitschafe teilnehmen. Die einen kommen mit leeren Taschen und völlig nutzlosen Rheumadecken zurück und – viel schlimmer – die anderen verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Das erstaunliche daran: Die Fahrer sind ganz behutsam – hinten auf den Spezialbussen steht sogar Vorsicht, lebende Tiere
drauf.
Von den unter meinen Artgenossen verbreiteten Vorbehalten bin ich frei – als domestiziertes Tier kann ich es mir nicht erlauben, der Zeit hinterher zu hinken. Ich muss mobil sein: Wer einmal eine Mahlzeit auf der Bundesweide eingenommen hat, will da immer wieder hin – auf eigenen Beinen ist das aber viel zu anstrengend. Die Gefahren, die von diesen dubiosen Reiseveranstaltern mit den Spezialbussen ausgehen, können mir egal sein, ich fahre ja selber.
Angst ist mir insoweit fremd. Genau genommen, vorfreue ich mich sogar schon seit längerem auf mein Autofahrerdasein. Ständig lese ich in der Zeitung Artikel, die mir Appetit aufs Autofahren machen – wenn ich eine Überschrift wie Straßenverkehr: Zunahme des Rasens
erblicke, läuft mir gleich das Wasser im Maul zusammen. Nur verstehe ich nicht, weshalb das immer als Problem beklagt wird. Rasen ist doch super, solange für alle was da ist.
Ab sofort mache ich also die Straßen unsicher. Die Lizzy ist aufgetankt und ich werde zu meiner ersten Tour aufbrechen. Ziel: Italien. Ich wollte schon immer mal in der Toskana Süßspeisen verkosten. Mein erster Stopp wird in Carrara sein – da soll es so leckeren Marmorkuchen geben.
Schlagworte: Carrara, Frisör, Lizzy, Marmorkuchen, Tanken, Toskana
Ich bin ein etwa fünf Jahre altes Kuschelschaf und lebe unter Menschen. Was Du sonst noch über mich wissen musst, erfährst Du im Porträt.
Knuddel, ich will ein Lamm von Dir
, höre ich ständig. Damit kann ich nicht dienen. Aber mit anderen tollen Fan-Artikeln. Gratis!
Es gibt Tage, an denen schreibe ich hier tolle Artikel auf. Und es gibt Tage, da bin ich gut in Form, dann schreibe ich Meisterwerke. Wenn für Dich das Beste gerade gut genug ist und Dir Deine Zeit für die nur tollen Texte zu schade ist, dann lies doch einfach den Artikel des Moments. Petri kaputt: Ohne Hobbys wäre das Leben ziemlich langweilig, das ist bei Schafen genauso wie bei Euch Menschen.