18. 4. 2006 · Mein Alltag ·

Fußball ist unser Leben, heißt es. Als Schaf habe ich daran zwar so meine Zweifel, aber man könnte es trotzdem fast glauben, wenn man das Treiben in Deutschland betrachtet. Die WM 2006 ist schließlich allgegenwärtig. Für uns Schafe ist das eine Tragödie: Obwohl die ganze Welt sich plötzlich so sehr für den Fußball interessiert, werden die schrecklichen Missstände, die seit Jahrzehnten mit dieser angeblichen Sportart verbunden sind, wahrscheinlich weder aufgedeckt noch beseitigt.
Wer jetzt fragt, welche Missstände wohl gemeint sind, Wettskandale oder Sicherheitsmängel in den Stadien, der weiß noch nicht, worum es mir geht. Das Schlimmste am Fußball sind die Spieler. Nicht etwa, weil sie so viel Geld für das kriegen, was sie tun, sondern weil sie ihrer abscheulichen Tätigkeit überhaupt nachgehen.

Man halte sich das mal vor Augen: Zur Weltmeisterschaft wurden in der Bundesrepublik zwölf tolle Grasflächen angelegt. Für uns wiederkäuende Paarhufer wäre das eigentlich ein Grund zur Freude. Diese tollen Weiden haben oft alles, wovon man als Schaf träumt: Unzählige Sitzplätze für das interessierte Publikum, eine Rasenheizung und ein Dach, das sich bei schlechtem Wetter automatisch schließt. Herden aus der gesamten Republik könnten sich aufmachen, Städte wie Gelsenkirchen, Nürnberg oder Hannover zu besuchen, um dort die Hintergründe der alten Schafsweisheit „Das Grüne muss in das Wollige“ in Erfahrung zu bringen.
Aber nein, im Sommer kommen diese überbezahlten Rüpel aus der ganzen Welt und treten alles mit Füßen: Den Ball, die anderen Spieler und – das ist der Skandal – den schönen Rasen. Der wird dadurch nämlich ungenießbar. Gäbe es ein Schafsgesetzbuch, so wäre der Tatbestand der bandenmäßigen Grasbeschädigung erfüllt. Diesen Vandalismus prangere ich an.

Die Täter zeigen sich übrigens völlig uneinsichtig, einem ehemaligen Fußballer wird sogar das traurige Bekenntnis zugeschrieben: „Wenn wir schon nicht gewinnen, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.“ Aus der Bevölkerung ist wohl auch keine Solidarität zu erwarten: Die Leute könnten kostenlos Schafen beim Grasen zusehen, bezahlen aber lieber Unsummen dafür, diesem üblen Treiben beiwohnen zu dürfen. Es ist sogar zu befürchten, dass sie zu Tausenden kommen und die „Sportler“ anfeuern werden. Eine Schande! Für mich ist die WM jedenfalls keine Welt-, sondern eine Weidenzerstörungs-Meisterschaft.
Für diesen Artikel wurden keine Fußbälle verletzt oder misshandelt.
Ich bin ein etwa fünf Jahre altes Kuschelschaf und lebe unter Menschen. Was Du sonst noch über mich wissen musst, erfährst Du im Porträt.
Knuddel, ich will ein Lamm von Dir
, höre ich ständig. Damit kann ich nicht dienen. Aber mit anderen tollen Fan-Artikeln. Gratis!
Es gibt Tage, an denen schreibe ich hier tolle Artikel auf. Und es gibt Tage, da bin ich gut in Form, dann schreibe ich Meisterwerke. Wenn für Dich das Beste gerade gut genug ist und Dir Deine Zeit für die nur tollen Texte zu schade ist, dann lies doch einfach den Artikel des Moments. Richtigstellung: Durch eine manipulierte Abbildung des ehrenwerten Schafs Knuddel wurde kürzlich der Eindruck erweckt, Knuddel sei ein Zombie. Das ist eine infame Lüge.