Mein Alltag als Schaf

Fragen an Knuddel

2. 9. 2008 ·

Eine FAQ gehört im Internetz zum guten Ton, da will ich mich nicht ausschließen. Weil ich aber nicht Qnuddel, sondern Knuddel genannt werde, muss diese Seite – abweichend von der Konvention – FAK heißen.

Bist Du ein Einzelschaf?

Wie man es nimmt. Ich bin hier zumindest das einzige Kuscheltier mit Eigenleben und Internetseite. Hier wo ich wohne – in einem sogenannten Schlafzimmer – leben noch ein paar weitere Schafe. Außerdem haben wir einen Pflegeelch. Der heißt Kurt und ist von meinen Besitzern aus einem Möbelhaus befreit worden. Er muss bei sich zu Hause in Schweden irgendwie zusammen mit Möbeln in einen Lastwagen geraten sein. Das hat ihm schwer zugesetzt, er hat nämlich eine sehr blühende Fantasie. Zum Beispiel erzählt Kurt dauernd, dass er daheim im Schweden mit echten Autos gespielt hat: Will aus dem Wald herausgelaufen sein und sie dann einfach umgekippt haben – man mag es kaum glauben.

Wie machst Du das mit dem Tippen?

Meine Pfoten sind viel zu groß für die Menschentastaturen. Darum lasse ich meinen Besitzer tippen. Und der macht das auch. Ganz selten nur werde ich zensiert. Zum Beispiel konnte ich noch nicht von meinen – angesichts von 29 Tonnen Schaf- und Lammfleisch, das im Jahr 2004 in Deutschland verzehrt wurde, nur zu verständlichen – Plänen über eine Anti-Dönerbuden-Demonstration berichten, Motto: Stoppt den Schafsmord, esst mehr Schweine!

Apropos Pfoten: Eigentlich haben Schafe ja Hufe oder Klauen, jedenfalls keine Pfoten. Ein Leser hat mich sogar gebeten, ich solle mich doch nicht auf eine Stufe mit Wölfen oder anderen bösen Tieren stellen, indem ich behaupte, Pfoten zu besitzen. Fakt ist aber: Es sieht mehr nach Pfote denn nach Klaue aus, was ich persönlich da habe. Bin ich etwa eine partielle Produktionspanne? Egal. Da ich mit den Pfoten bisher gut klargekommen bin, habe ich auch für die Zukunft keine Bedenken. Immerhin kann ich mich so nicht mit Maul- und Klauenseuche anstecken.

Bist Du käuflich?

Heiße ich Kiewel? Nein.

Hast Du keine Flugangst?

Nö. Vorm Fliegen habe ich absolut keine Angst, und meine Absturzangst konnte ich bisher immer erfolgreich unterdrücken. Meine größte Befürchtung beim Reisen ist, verloren zu gehen. Deswegen kriege ich immer ein Schild um, auf dem steht I’m Knuddel, a travelling sheep. If you find me and it seems that I’m lost, please call my owner. – aber ich kann nur schwer verloren gehen, weil ich in der Regel in einem Rucksack oder einem Koffer drin bin, den ich niemals eigenmächtig verlassen würde. Ist auch viel bequemer, getragen zu werden, als selber laufen zu müssen.

Wieso ist Dein Schwanz so lang?

Mein Schwanz misst mit seinen 21,4 Zentimetern zwar weniger in der Länge als eine Pizza im Durch, ist aber trotzdem länger als der vieler Artgenossen. Dass meiner mir nicht gekürzt wurde, als ich jung war, wie es bei vielen Lämmern geschieht, liegt daran, dass ich sauberer bin. Lämmern werden die Schwänze nämlich kupiert, weil da sonst Ausscheidungen kleben bleiben würden. Das mögen Parasiten, die werden von Schafen und Schäfern aber nicht gemocht, darum werden die Schwänze kurzgemacht. Tut angeblich auch nicht weh. Wie auch immer: Mir kann es egal sein, ich scheide ja nur mit der Schnauze aus.

Trägst Du Dein Fell im Sommer kürzer?

Wegen eines genetischen Defekts wächst mein Fell nicht nach, darum verteidige ich es mit meinem Leben. Zwar wäre etwas weniger Wolle im Sommer sehr erfrischend, im Winter aber des Guten zuwenig. Damit ich im Sommer nicht schwitze, habe ich einen Schwarzarbeiter Ein-Euro-Jobber jemanden eingestellt, er mir kühle Luft zufächelt.

Kannst Du sprechen?

Ja, ich kann sprechen. Natürlich – wie sollte ich mich sonst mit anderen Tieren unterhalten? Wenn mein Besitzer nicht zu Hause ist, gehe ich sogar für ihn ans Telefon. Wieso ich sprechen kann? Ganz einfach: Ich esse regelmäßig Sprechperlen.

Was hältst Du von Weihnachten?

Mein Verhältnis zu diesem Brauch ist etwas gespalten. Eigentlich stehe ich ja nicht so auf lamettabehängte und mit Elektrokerzen verschandelte Tannen, unplugged mag ich sie lieber. Trotzdem liebe ich Christstollen und schenke gerne. Darum mache ich manchmal mit beim Weihnachtenfeiern. 2005 habe ich hier auf meinen Seiten sogar eine Adventsaktion gestartet, mit allerlei Back- und Bastelspaß.

What’s in your bag?

Immer mehr Leute interessieren sich dafür, was man so mit sich herumträgt. Sie fragen: What’s in your bag? Meine Antwort.

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Ich bin ein etwa fünf Jahre altes Kuschelschaf und lebe unter Menschen. Was Du sonst noch über mich wissen musst, erfährst Du im Porträt.

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